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23. März 2007

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Von Franken 07 zu Euro 08

Tages-Anzeiger, 9. November 2007

Eine Institution mit Namen International Football Arena (IFA) organisierte vor ein paar Tagen in Zürich zum Thema Euro-08-Vorbereitungen ein Podiumsgespräch, wo „officials admitted that there was still a worrying amount of work to do“ (IFA-Homepage). Neben der verblüffenden News, dass ein halbes Jahr vor Beginn der Fussball-EM noch „work to do“ bleibt, erstaunte die Zusammensetzung der „officials“: neben dem EM-Delegierten des Bundesrats, Benedikt Weibel, liessen sich FDP-Präsidentin Doris Fiala und Opernhausdirektor Alexander Pereira zum Thema Fussball-EM vernehmen, wobei deren Hauptsorge den gefährlichen Fanmassen und der bedrohlichen Sicherheitslage galt.

Die Teilnahme von Frau Fiala mag auf den ersten Blick erstaunen, da sich doch die Fanmassen ihrer Partei ebenfalls auf einem eher „worrying amount“ befinden. Ausschlag gegeben hat (neben der möglichen Verwechslung zwischen IFA, Fiala, Fifa) bestimmt, dass sie durch ihre Nähe zur SVP über fast intime Kenntnisse im Fachbereich Hooligans verfügt. Die fussballerische Qualifikation von Herrn Pereira wird wohl seine brasilianische Freundin geliefert haben und vielleicht die Erkenntnis, dass das Opernhaus-Parkett auch nur die teurere Version einer Fanmeile ist.

Offenbar ist der Austragungsort Zürich von den EM-Organisatoren nicht dahingehend informiert worden, dass bei einem internationalen Fussballfest nicht nur schwerreiche Funktionäre lautlos anreisen und sich in Sepp Blatters Kathedrale am Züriberg gegenseitig die Spesenrechnungen vorlesen, sondern eben auch Fussballzuschauer bzw. Fans bzw. Hooligans bzw. der braune Block. Unangenehm daran ist, dass diese nicht alle in die Stadien passen, sondern innerhalb von Fanmeilen mit den Sponsorengetränken abgefüllt werden müssen. Das wiederum heisst abgesperrte Strassen, was in Zürich gleichbedeutend mit einem Gewerblermassaker ist. Also: Platzsuche für anreisende ausländische Touristen – bei diesem Problem fällt mir nur ein Name ein: Ludwig A. Minelli. Warum sass der nicht auf dem IFA-Podium? Düsterer oder inkompetenter als mit Frau Fiala wäre das Panel dadurch auch nicht geworden.

Zürich würde ohnehin besser Basel zum Vorbild nehmen, denn dort werden die Regierungsgeschäfte während der Euro 08 vollumfänglich der Uefa übertragen. Lediglich das Kostenmanagement bleibt bei der Stadt. Die Quartiere sind in Sponsorensektoren eingeteilt, der Spalenberg heisst Carlsberg und das Joggeli nennt sich St. Ja-Coke-Stadion. Wer während eines Fussballspiels zu Hause mehr als vier Personen vor dem Fernseher versammelt, dessen Wohnzimmer wird von der Uefa zur Fanmeile erklärt, weshalb er an seiner Wohnungstüre Tickets lösen muss. In der Öffentlichkeit wir der Begriff „Tschutten“ nicht mehr toleriert und muss gemäss Uefa-Sonderverordnung durch folgende Wortwahl ersetzt werden: „Uefa Euro 2008™ Fussball® Spielen©“.

Trotzdem bin ich, was das kommende Fussballspektakel betrifft, zuversichtlich. Für eine fröhliche Stimmung werden sicher, wie an der letzten WM, die zahlreichen Deutschen sorgen, die bereits in unser Land gezogen sind. Und wenn alles dann doch zu fröhlich wird, gibt es ja noch die strammen Wehrmänner, die sich geweigert haben, ihre Munition abzugeben.